11. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium vom 13. Juni 2021

13. Jun 2021 | GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte:
Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?
Es gleicht einem Senfkorn.
Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.
Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse
und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.
Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles,
wenn er mit ihnen allein war.

Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen!
Sie sind immer wieder schön zu hören, diese Gleichnisse, die Jesus erzählte. Schön kompakt, präzise, geradezu meisterhaft erzählt, so, dass man sie sich auch gut merken kann. Kein Wunder: bevor sie aufgeschrieben wurden, hat man sie mündlich erzählt!
Es sind Worte, die uns unmittelbar, quasi direkt ins Herz treffen, wir müssen eigentlich gar nicht allzu lange darüber nachdenken, sie treffen, sie be-treffen uns direkt und zwar im Positiven: wir können uns in Gedanken von den Gleichnissen Jesu, auch von den beiden heutigen, die wir eben hörten regelrecht davontragen lassen und auch, und das ist noch wichtiger: wir können uns verändern lassen, in unserem Denken, in unserer Aufmerksamkeit und in weiterer Folge im besten Falle: in unserem Handeln. Kurz gesagt: wenn wir die Gleichnisse Jesu hören und uns darauf wirklich einlassen, verändern wir uns, hin zu Menschen die dem von Jesus immer wieder angesprochenen „Reich Gottes“ nahe sind.
Vieles was wir sonst in unserem Alltag zu hören und zu sehen bekommen, ob im Fernsehen oder in der Zeitung, verändert uns entweder gar nicht, lässt uns kalt, oder aber: regt uns eher auf, macht uns Sorge, macht uns Angst. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was die Gleichnisse Jesu in uns bewirken wollen.
Mir ist es in den vergangenen Tagen bei einer Nachricht aus dem kirchlichen Bereich so ergangen. Da hat in Deutschland ein prominenter Bischof, Reinhard Marx, Bischof der Diözese München-Freising und lange Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz seinen Rücktritt erklärt. Und zwar mit den Worten vor laufender Kamera: „… weil die Kirche an einem toten Punkt angelangt ist, an dem es so nicht mehr weitergehen kann!“ Und er bezieht sich auf den katastrophalen Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen durch Amtsträger der römisch-katholischen Kirche. „Die Kirche müsse doch ein Raum der Heilung, der Hoffnung und der Zuversicht sein“ sagt er und es gehe ihm bei seinem Rücktritt um das Ernstnehmen von institutioneller Verantwortung, die, da hat er vollkommen Recht, nur der Bischof übernehmen kann, ja sogar muss, wenn das glaubwürdig sein soll! Nur so sei ein Aufbruch und ein Neuanfang möglich, so der mutige Kardinal. Man kann nur hoffen, dass das Vorbildfunktion auch für andere hat.
Mich hat vor allem seine Aussage, die Kirche sei an einem toten Punkt angelangt sehr getroffen. An einem „toten Punkt“: drastischer und beklemmender lässt sich das nicht ausdrücken. Denn es heisst: wir sind an einem dramatischen Punkt angelangt, wo es nicht mehr weiter geht, da ist kein Leben mehr, da helfen jetzt überhaupt keine Ausreden und Ersatzhandlungen mehr. Und leider hat er Recht: gerade was die moralische Ehrlichkeit in Bezug auf die Missbrauchsfälle angeht, ist die Kirche, man muss es leider in aller Deutlichkeit sagen, wirklich an einem toten Punkt. Hier, wie in vielen anderen Bereichen, hat sie all ihre Glaubwürdigkeit total verloren.
Noch einmal: toter Punkt. Ein Wort, dass die dahinterstehende Dramatik und Dringlichkeit, den Ernst der Lage zum Ausdruck bringt — zusammen mit der negativen Konjunktion: da ist jetzt überhaupt kein „weiter so“ und „wir tun, als sei nichts gewesen“ denkbar und möglich!
Ganz anders hingegen die Worte aus unseren heutigen Gleichnissen, und generell aus den Gleichnissen Jesu: sie eröffnen Möglichkeiten, motivieren zum Nachdenken, zum Tun, zum Handeln, geben Gewissheit: ja, dieses Reich Gottes, von dem Jesus spricht, ist nicht nur möglich, es ist auch schon da, es ist, so Jesus, Gottes Willen für uns, wir müssen es nur begreifen und danach handeln; ja, es wächst aus einem Kleinen, das zu einem Großen wie beim Senfkorn werden kann, wir dürfen das Vertrauen darauf nur nicht verlieren und alles dafür tun, dass es für alle spürbar und erfahrbar wird, für jeden Menschen, dem wir begegnen.
Und deshalb: ein wichtiger Schritt von Seiten der Kirche diesbezüglich wäre es, den „Toten Punkt“, an dem sie, wie Kardinal Marx durch seine Rücktrittsankündigung deutlich gemacht hat, angelangt ist, zu überwinden. Und wie? Durch einen ehrlichen Neuanfang, durch Demut statt durch Prunk, durch das wirkliche Ernstnehmen der Botschaft Jesu, durch das Ende des Klerikalismus, den Jesus so nie gewollt hat, durch das Ernstnehmen und Verwirklichen der Menschenrechte, natürlich selbstverständlich auch der Frauen; oder um es kurz zu machen: durch ein Ankommen in der heutigen Zeit, und nicht durch ein Verharren im antiken und mittelalterlichen Denken!
Das würde gelingen durch eine konsequente Rückbesinnung auf Jesus und seine Botschaft.
Denn: alles, was Jesus vor über 2000 Jahren getan und gesagt hat, hat auch heute noch Relevanz und Bedeutung, denken wir z.B. nur an die Bergpredigt!
Und gerade in den Gleichnissen, die uns die Evangelien überliefern, auch in den heutigen von der Saat, die von selbst wächst und vom Senfkorn, kommen wir Jesus und dem, was er wirklich den Menschen sagte, sehr, sehr nahe.
Amen!

Thomas Sobottka
Pastoralassistent

Netzwerk-gottesdienst

Kontakt

Pfarre Kagraner Anger

Kagraner Anger 26
1220 Wien

Tel: +43 1 203 23 57
EMail: office@pfarrekagraneranger.at

Kanzleizeiten

Montag, Dienstag  und
Donnerstag 8.00 - 13.00 Uhr 

Bitte beachten Sie beim persönlichen Besuch die Einhaltung der Hygienemaßnahmen wie Maskenpflicht, 1m Abstand und Handhygiene.

Außerhalb dieser Zeiten sprechen Sie Ihr Anliegen bitte auf den Anrufbeantworter oder Sie schreiben uns eine E-Mail.

► Gottesdienste

► Caritas

Archive