12. Sonntag im Jahreskreis, 20. Juni 2021

20. Jun 2021 | GuterGedanke, Spirituelles

An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern:
Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn.
Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.
Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen:
Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still!
Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, 
dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Liebe Schwestern und Brüder!
In der Geschichte der Kirche war das zehnte Jahrhundert wohl eines der Schlimmsten. Es wird das „Saeculum obscurum“, das dunkle Jahrhundert genannt. Innerhalb eines Jahrhunderts gab es 36 Päpste. Diese waren alles andere als das, was die Kirche gebraucht hätte — byzantinische Beamte und Agenten, ein verrotteter Adel, herrschsüchtige Frauen, die den Papst kontrollierten. In der ewigen Stadt ging es zu, wie wir uns das heute gar nicht mehr vorstellen können.
Die Kirche, das Schifflein Petri, glich einem armseligen Boot, das unterzugehen drohte. Dass diese Kirche überlebte, ist unbegreiflich.
Um das Jahr 1020 haben die Mönche der Insel Reichenau im Bodensee für Kaiser Heinrich II. ein wunderbares Messbuch geschaffen. In einer Initiale (schmückender Anfangsbuchstabe bei Kapitelanfängen in Handschriften, älteren Drucken…) wird der Sturm auf dem See dargestellt. Das Schiff schaut aus, wie ein Seeungeheuer. Die Segel sind zerrissen. Das Ungetüm sperrt das Maul auf, als ob es alles verschlingen würde. Das Schiff schwimmt nicht mehr, es stürzt in die Tiefe. Der Mastbaum scheint aus dem Schiff herauszubrechen. Die Jünger sind völlig ratlos. Jeder schaut in eine andere Richtung. Das Rudern haben sie längst aufgegeben, sie überlassen sich ihrem Schicksal.
Jesus schläft auf einem Kissen. Ein Jünger, es ist Johannes, steht in der Bildmitte und schaut in die entgegengesetzte Richtung. Seine Hand ruht auf der Schulter des Herrn. Sein Gesicht ist ruhig. Er weiß, der Herr ist da. Das genügt! So erleben es die Jünger später, als sie verfolgt werden: Der Herr ist bei uns! Seine Zusage: „Habt keine Angst!“, gibt ihnen Kraft.
Eine hochaktuelle Darstellung — auch wir leben in einer unruhigen und aufgewühlten Zeit. Es gibt so viele Konflikte in der Welt: Naturkatastrophen, Klimawandel, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, Kriminalität, Corona-Pandemie, Missbrauchsfälle in der Kirche, Arbeitslosigkeit, Korruption, Drogenkriminalität usw.
Angesichts dessen sind diese Fragen berechtigt: Warum greift Gott nicht ein? Warum müssen immer wieder unschuldige Menschen, vor allem Kinder, sterben?
Meine Antwort ist ein Versuch: Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das einen freien Willen hat. Der Mensch kann sich entscheiden, Gutes oder Böses zu tun. Ein Tier kann das nicht. Es muss seinen angeborenen Instinkten folgen. Wie würde eine Welt aussehen, hätten wir keine persönliche Freiheit?

Eine weitere Antwort: Welches Gottesbild habe ich? Das Wissen unserer Zeit ist ins Unermessliche angewachsen, aber bei vielen ist der Glaube an Gott in den Kinderschuhen stecken geblieben. Ein Kinderglaube kann nicht tragfähig sein, wenn Leid, Krankheit, Schicksalsschläge uns treffen.
Da hilft zunächst nur einmal das Schreien: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde. Was einem belastet, muss man herausschreien und nicht hinunterwürgen.

Jesus hat nicht die Verzweiflung verurteilt, sondern die Angst! Seine Zusage „habt keine Angst, ich bin bei euch“ gilt auch heute noch für uns und seine Kirche.
Kirche — das ist Gemeinschaft, wo einer den anderen trägt, wo keiner alleingelassen wird.
Auch wenn die Kirche heute in einer Krise steckt, ich bin voll Zuversicht, es wird wieder aufwärts gehen.
Ich glaube fest an seine Zusage: Habt keine Angst, ich bin bei euch, alle Tage…

Ihr
Heribert Hatzl
Pfarrvikar

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