22. Sonntag im Jahreskreis, 5. September 2021

5. Sep 2021 | Ankündigungen, GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekápolis. Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: 
Éffata!, das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es. Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Ich begegne immer wieder Menschen, die behaupten, Gott höre nicht zu. Nie höre er zu, wenn man sich an ihn wendet. Sie würden ja immer wieder beten und sich an ihn wenden, aber er hört einfach nicht zu. Also macht das Beten ohnehin keinen Sinn.
Oder ich denke an die Frau, die sich beklagt, weil ihr Mann nicht zuhört. Und nichts mehr mit ihr redet. Die Zwei verstummen und leben im Alltag nebeneinander her. Sie haben einander nichts mehr zu sagen. Gleichgültigkeit macht sich breit. Die Stille wird manchmal unerträglich laut, sie schmerzt, bis einer der Beiden geht. Die fehlende Kommunikation hat wieder eine Beziehung zerstört.
Am Samstag sah ich im TV eine Sendung über höllische Orte. Einer dieser Orte war eine Gefängnisinsel, auf der es eine besonders harte Strafe gab: 2 Jahre eingesperrt, ohne ein einziges Wort reden zu dürfen, und ohne dass man mit ihnen redete. Die meisten der Verurteilten wurden wahnsinnig und viele begingen Selbstmord. Nichts reden dürfen, mit niemandem ein Wort wechseln dürfen, kein menschliches Wort hören dürfen…..unerträgliche Folter.
Wir Menschen brauchen den Dialog. Dialog schafft Beziehung, schafft Gemeinschaft, schafft Einheit. Jeden Sonntag finden wir im Pfarrkaffee Zeit und Raum für den Dialog mit Anderen. Wir tauschen uns aus über die Predigt, unseren Glauben und auch all die banalen Alltagsgeschichten, die zum Leben dazugehören. Dann ist Jesus mitten unter uns. Denn — wo 2 oder 3 in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen. Und genau so entsteht unsere Gemeinschaft. Dieses Miteinander im Gespräch-Sein macht das Menschsein aus.
Wir finden uns im Kirchenraum ein, um miteinander zu beten, zu singen. Wir kommunizieren. Wir wenden uns mit Worten an Gott. Und Gott IST das WESENTLICHE Gespräch, ER spricht das ewige Wort (oder wie es bei JOH. heißt: denn das Wort ist Fleisch geworden). Gott ist das Wort, das in die Welt gesandt wurde, direkt in unser Leben hinein. Das lebendige Wort ist Gott!
Ich muss nur hinhören. Und ich denke, das ist das Problem unserer Zeit. Wir sind so oft viel zu weit entfernt von Gott. So weit, dass wir IHN gar nicht hören können. Eingezwängt in Hektik, Lärm und Sorgen können wir Gott nicht mehr hören. Und so meinen wir, dass Gott UNS nicht hört.
Effata, öffne dich, so hörten wir heute. Jesus öffnet Ohren und Zunge durch seine unmittelbare Nähe. Für uns mag der Gedanke, dass Jesus die Zunge mit seinem Speichel berührt, befremdlich wirken. Man muss aber verstehen, dass Speichel damals als Heilmittel galt. Heute weiß man, dass dieses Wissen durchaus berechtigt ist.
Unser Speichel wirkt nicht nur leicht keimtötend, er hilft auch bei der Wundheilung. Welcher Bestandteil der Spucke dafür entscheidend ist, haben nun niederländische Forscher herausgefunden. Sie identifizierten ein Protein im Speichel, das die Wundheilung beschleunigt.
Wenn meine Enkelin von einer Gelse gestochen wird und der Juckreiz sie quält, so weiß sie sich zu helfen. Ein bisschen Spucke lindert den Reiz und der Dippel juckt viel weniger.
Diese Geschichte vom Taubstummen zeigt uns aber auch wieder, wie nahe das Geheimnis der Wunderkraft Jesus mit ganz praktischem Handeln beinander liegt. Jesus bedient sich in seinen Handlungen und Gleichnissen immer am Wissen und Verständnis der ihn umgebenden Menschen. Immer holt er sie dort ab, wo sie sind. Unabhängig von Herkunft, Alter und Geschlecht. Nur gerichtet auf das, was der Mensch vor ihm wirklich braucht, um wieder Lebensqualität zu finden. Und mit neuer Kraft kann man sich wieder Gott zuwenden. Denn durch Jesus spürst du die Wirklichkeit und das Wirken Gottes. Immer ganz da, immer ganz nah, immer dort, wo du ihn brauchst. Du wirst berührt durch diese Nähe. Unser Glaube hat viel mit Fühlen, mit Hingabe zu tun. Berührt werden durch Liebe, berührt werden durch die Liebe Gottes. Und sein Sohn hat diese Liebe hautnah spüren lassen, er hat die Menschen tatsächlich BERÜHRT. Hat sie FÜHLEN lassen, was die Liebe Gottes vermag.
Lassen wir uns noch berühren durch die Liebe Gottes? Trauen wir uns, uns von Jesus zärtlich berühren zu lassen? Sind wir offen, für diese lebendige Liebe?
Effata, öffne dich. Öffne dich ganz für Gott, sprich zu Ihm mit deinem Herzen und deinem ganzen Sein.
Effata, öffne dich ganz für Gott und sei bereit, Ihn zu hören und zu spüren.
Effata, öffne dich ganz für Gott und werde lebendig durch das lebendige Wort.

Ihre
Irene Amann-Kanelutti

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