3. Adventsonntag, 12.Dezember 2021

11. Dez 2021 | Advent 2021, Ankündigungen, GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit fragten die Leute Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.
Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen! Liebe Pfarrgemeinde!
Das war ein richtig wilder Hund, dieser Johannes, genannt der Täufer!
Donnernde Reden brüllte er zornig den Leuten entgegen, mit denen er sie zur Umkehr und zur Taufe, zur Umkehrtaufe bewegen wollte. Und die Leute strömten in Massen an den Jordan und wollten diesen Volkshelden und Aufrührer, heute würde man ihn auf Neudeutsch „Influencer“ nennen, sehen, hören und sich zur Sündenbekehrung untertauchen lassen. Er löste eine regelrechte Massenbewegung aus, man sprach sogar vom „Johannes-Fieber“, das viele Menschen befiel.
Dadurch fiel er natürlich auch der damaligen Obrigkeit, den religiösen und weltlichen Führern unangenehm auf. Denn er nahm auch religiös-politisch kein Blatt vor dem Mund, bis dahin sogar, dass Teile der römischen Armee seine Anweisungen, wir haben es im Evangelium ja gehört, so ernst nahmen, dass sie daraufhin nicht mehr in den ihnen befohlenen Krieg ziehen wollten. Als er dann auch noch den König direkt wegen seiner obszönen und unmoralischen Missehe anprangerte, war das Maß voll. Der musste weg! Das konnte natürlich nicht hingenommen werden und es ist diesem Wüstenprediger schlussendlich nicht anders ergangen, wie seinem berühmtesten Schüler und Jünger, einem gewissen Jesus von Nazareth. Er wurde beseitigt, er wurde ermordet: jeder kennt diese berühmte Geschichte, die mit dem abgeschlagenen Kopf des Johannes auf dem Silbertablett endete.
Aber wie kam es soweit? Wie konnte dieser verrückte Wüstenprediger derart die Massen mobilisieren und somit sogar zur Gefahr für das damaligen Establishment werden?
Es war nicht nur die Gabe, gewaltige Reden zu halten, es war nicht nur Rhetorik, würden wir heute sagen. Dieser Johannes, er lebte das, was er sagte, mit Haut und Haar sozusagen. Am Beginn des Markus-Evangeliums wird es angedeutet: Er „… trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.“ Und jetzt sind wir auch bei dem Grund, warum hier auf dem Ambo ein Glas mit Honig steht.
Dieser Johannes lebte also komplett vegetarisch von dem, was er in der Wüste vorfand. Das mit den Heuschrecken ekelt uns wahrscheinlich ziemlich, dürfte allerdings ein Übersetzungsfehler sein: das aramäische Wort meint eher Wildmöhren, also wild wachsendes Gemüse. Aber der wilde Honig, das ist realistisch und nachvollziehbar.
Denn: Honig ist auch heute noch ein wirklich wichtiges Nahrungsmittel. Er enthält über 200 natürliche Substanzen, nicht nur Fruchtzucker und Traubenzucker, sondern auch Enzyme und Proteine die in unserem Körper antiseptisch, antibakteriell und damit entzündungshemmend wirken. Er bewahrte so nicht nur den strengen Asketen Johannes den Täufer vor so mancher Erkrankung, er tut auch uns heute noch gut. Vor allem dann, wenn es sich um einen hochwertigen, natürlich gewonnenen Honig handelt, und nicht um einen künstlich gestreckten, billigen Industriehonig.
Schon vor über 10 000 Jahren entdeckten die Menschen diese süße Substanz, die fleißige Honigbienen produzieren, in dem sie Nektar und Honigtau sammeln, der dann zu Honig fermentiert. Und da er schon immer sehr rar und kostbar war, galt er im alten Ägypten gar als „Speise der Götter“ und wurde so mystifiziert. Bis ins späte Mittelalter hinein war Honig das einzig bekannte und damit sehr kostbare Süßungsmittel, bis er dann durch den Rübenzucker abgelöst wurde.
Dass also ein Mensch tatsächlich und ausschließlich und radikal von dem leben konnte, was er im Wüstengebiet rund um das Jordangebiet vorfand und weiters auf alles verzichtete, was das Leben auch schon in der Antike angenehm machen konnte, das war mehr als beeindruckend. Das war authentisch, das war radikal bis zum Anschlag.
Und so nahmen viele Menschen diesem Johannes seine prophetischen Endzeitreden ab, nach dem Motto: „seht her, der redet ja nicht nur, der lebt auch danach. Und ja, er hat recht: es kann ja so nicht weitergehen, da muss jetzt was Neues passieren. Und ja, wir haben dazu jetzt nur noch eine Chance, die wir ergreifen können. Wir müssen Buße tun, wir müssen unser Leben ändern und mit der Taufe, die dieser Prophet an uns vollzieht, neu anfangen.“
Also kamen die Massen zu diesem Johannes, dem Täufer. Auch ein junger Mann namens Jesus aus Nazareth. Auch er ließ sich taufen und dürfte eine Zeit lang als Jünger des Täufers dabei gewesen sein.
Bis er erkannte, dass diese Droh- und Umkehrpredigt noch nicht alles sein kann.
Für Jesus ist Gott nämlich nicht der strafende Richter, der allmächtige Weltenherrscher, der durch Opfer und Gebet besänftigt und gnädig gestimmt werden muss. Reue und Umkehr, wie sie der Täufer gefordert und gepredigt hat, sind schon richtig. Aber, so sagt Jesu, müssen wir das nicht aus der Angst heraus tun. Ganz im Gegenteil: wir „antworten“ als Kinder Gottes auf die barmherzige Liebe Gottes, der uns wie Vater und Mutter ist, so Jesus.
Insofern ist Johannes der Täufer in der Tat der Wegbereiter, der Vorläufer Jesu, als den wir ihn verehren. Er bereitete Jesus den Weg, den Weg zu einem völlig neuen Gottesverständnis. Wir können nach wie vor auch von ihm, von seinem Zeugnis lernen. Er hat damals, als die Leute von ihm wissen wollten, was sie denn nun konkret tun sollten, Antworten gegeben, die in die damalige Zeit passten — auch den Zöllnern, sogar den Soldaten.
Vielleicht ist es gerade jetzt in dieser Adventzeit an uns, diese Frage wieder einmal zu stellen: was sollen wir tun? Als Katholiken? Als gläubige Menschen? Als Christen?
Gerade jetzt in dieser schwierigen Pandemiezeit, die wir derzeit erleben müssen. Gerade jetzt sollten wir Jesu Doppelgebot „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ auch ganz bewusst bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie vor Augen haben, ja, und damit auch eindeutig und mutig Stellung beziehen! Es gibt keine Alternativen zur Impfung und zur Kontaktreduzierung! Schützen wir so uns und die Anderen!
Ach ja, und was wir vom Zeugnis des Täufers auf alle Fälle lernen können: sein gelebter Hinweis, wie wichtig möglichst naturbelassene Nahrungsmittel für uns Menschen sind, wie eben auch HONIG.

Thomas Sobottka
Pastoralassistent

Und sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

Frage: Für wen öffnest du dein Herz auf dem Weg zu Christus?

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