30. Sonntag im Jahreskreis, 24. Oktober 2021

24. Okt 2021 | Ankündigungen, GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jéricho verließ, saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbúni, ich möchte sehen können.
Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.
Liebe Schwestern und Brüder!

Wer ein schönes Foto machen will, der muss darauf achten, dass alles richtig eingestellt ist. Sonst wird das Bild nicht schön. So sagt der Fotograf: Den Kopf etwas höher, ein wenig nach rechts schauen und jetzt etwas lächeln. Und dann, wenn alles richtig eingestellt ist, die Entfernung, die Belichtung, dann kann ein schönes Foto das Ergebnis dieser Einstellungen sein.
Aber nicht nur beim Fotografieren kommt es auf die richtige Einstellung an. Jemand geht gedankenversunken über die Straße. Plötzlich quietschen die Autoreifen eines Fahrzeuges. Um ein Haar wäre da eine:r überfahren worden. Traumverloren, wie blind ging der/die Fußgänger:in über die Straße. Er/sie hat nicht aufgepasst. Er/sie war auf den Straßenverkehr schlecht eingestellt. Im Straßenverkehr darf man heute nicht träumen und gedankenverloren eine Straße überqueren, das könnte das Ende sein. Man muss die Augen offen haben, sich konzentrieren, sehen, was um einen herum geschieht.
Das gilt auch für den Umgang mit anderen Menschen. In jedem Wohnblock, auf jeder Stiege, sogar hier in der Kirche gibt es Menschen, zu denen wir überhaupt keinen Kontakt haben. Wir suchen auch keinen Kontakt, weil der/die eine oder andere uns schon vom Sehen her unsympathisch ist. Wir lassen Menschen sehr schnell und sehr leicht links liegen. Nur ab und zu geschieht es, dass dann eine:r plötzlich im Mittelpunkt des Interesses steht, wenn er/sie eine besondere Tat gesetzt hat. Dann sehen wir ihn/sie auf einmal mit ganz anderen Augen. Das habe ich mir gar nicht gedacht, dass das so ein feiner Mensch ist. Nicht unsere Augen waren blind, sondern unsere Einstellung zu diesem Menschen war falsch. Wir haben ihn nicht richtig gesehen, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftig waren
Wie sehr es auf die richtige Einstellung ankommt, davon erzählt heute das Evangelium. Da sitzt dieser blinde Bartimäus und schreit. Seine innere Einstellung und sein grenzenloses Vertrauen haben ihn von seiner Blindheit befreit. Aber das ist nicht alles. Das sind noch eine Menge andere Blinde. Von ihnen können wir am meisten lernen. Betrachten wir das Evangelium noch einmal genauer:
Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Viele Menschen gehen mit ihm. Am Weg sitzt dieser Blinde. Die Menschen haben für ihn kein Auge. Sie sind blind für ihn.Sie haben im Augenblick viel wichtigeres zu tun — sie gehen ja mit Jesus. Und da bettelt und schreit dieser Blinde. Die Leute wollen ihn beschwichtigen, aber sie können sich nicht lange aufhalten mit dem Störenfried.
Wir kennen die Redewendung „die Not schreit zum Himmel“. Wir sehen die Not, oder hören davon. Wir machen die Augen oder Ohren zu und gehen vorüber. Vergessen, was wir gesehen haben. Wir können uns nicht aufhalten, wir haben wichtigeres zu tun. So ist auch die Einstellung der Leute, die mit Jesus gehen.
Da bleibt Jesus selbst stehen und sagt: Ruft ihn her! Nicht er selber ruft ihn, sondern die Leute müssen es selber tun. Sie müssen von ihrer Blindheit geheilt werden. Sie müssen lernen ihre Einstellung zu ändern. Wer mit Jesus gehen will, darf nicht an der Not der Menschen vorübergehen. An Jesus glauben bedeutet, Jesus nachfolgen. Das heißt für uns, nicht nur ihm blind vertrauen, es heißt vor allem die Augen aufmachen, damit wir die richtige Einstellung bekommen und niemand auf dem Weg übersehen, der uns braucht. Diese Einstellung zu lernen ist sicher eine Lebensaufgabe.

Ihr
Heribert Hatzl
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