7. Sonntag in der Osterzeit, Evangelium vom 16. Mai 2021

16. Mai 2021 | GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach:
Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte.
Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Liebe Gemeinde,
liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen!

Abschied nehmen, das kann eine sehr schmerzliche Angelegenheit sein. Je nach den Umständen natürlich, ob man jemand sehr lange nicht mehr wiedersehen kann, bis dahin, und das ist für Menschen die äußerste Form des Abschieds, wenn man den betreffenden Menschen nie mehr wiedersehen kann, wenn es ein Abschied für immer ist.
Wir alle gehen damit sehr unterschiedlich um, von „so schnell wie möglich“, also „kurz und schmerzlos“ bis zum „großen Drama“ mit Tränen, geröteten Augen und tiefer Trauer.
Ich kann mich noch lebhaft erinnern, dass unsere älteste Tochter, als sie noch ein kleines Mädchen war, Abschiede auf geradezu herzzerreißende Weise zelebriert hat. Sie konnte, wenn wir z.B. im Urlaub von den Großeltern weggefahren sind, hunderte Kilometer lang schluchzen und heulen. Sie war so vom Trennungsschmerz überwältigt und nichts und niemand konnte sie trösten. Wie gesagt: herzzerreißend war das jedes Mal. Aber es ging dann auch wieder vorüber und sie konnte auch wieder lachen und fröhlich sein, Gott sei Dank!
Im Evangelium gerade eben hat sich auch jemand verabschiedet: Jesus von seinen Freunden, seinen Jüngerinnen und Jüngern, weil er wusste, dass man ihn töten wird.
Im Johannes-Evangelium verabschiedet er sich in langen Reden, die sich über mehrere Kapitel erstrecken und die mit dem Gebet, was wir eben hörten, enden.
Es ist ein sehr, sehr feierliches, innig bittendes Gebet Jesu an Gott, seinen Vater.
Ob es Jesus wirklich so gebetet hat?
Eher nicht, es ist in der typisch mystisch-verklärenden Sprache des Johannes-Evangeliums gehalten, mit gnostisch-philosophischen Begriffen, die dem Rabbi aus Nazareth sicher nicht geläufig waren. Seine Sprach- und Bilderwelt waren eher die Gleichnisreden, die er aus seinem realen Lebensumfeld entnommen hat, die Psalmen, die zum täglichen Gebet eines Juden bis heute gehören, oder allenfalls die Schriften der Propheten. Begriffe und Wortschöpfungen wie „bewahre sie in deinem Namen“ oder „heilige sie in der Wahrheit“, aber auch der gesamte Dualismus zwischen Gott und der Welt sind in der Sprach- und Denkwelt Jesu, dem Aramäischen, gar nicht ausdrückbar. Sein persönliches Gebet zu Gott können wir uns eher wie das Vater Unser vorstellen, einfach, direkt, verständlich, voller Gottes- und Nächstenliebe.
Aber auch wenn wir mit dem Gebet aus dem heutigen Evangelium so unsere Schwierigkeiten haben, weil es uns gar zu abgehoben vorkommt, ist es durchaus im Sinne und im Geiste Jesu. Er blickt darin vor seinem Leiden und Tod auf sein Leben zurück und bittet Gott für die, die zurückbleiben, für die Jüngerinnen und Jünger, ja, eigentlich auch für uns heute, um Beistand und Nähe. Er vertraut uns alle damit Gott, seinem Vater an. „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“
Dieses Abschiedsgebet, darin steckt sozusagen das Vermächtnis an uns, unsere Sendung, ausgedrückt im Denken und Verständnis des Johannes-Evangeliums, geschrieben mindestens zwei Generationen nach Jesu Tod, wahrscheinlich um das Jahr 100.
Das Vermächtnis Jesu von Menschen formuliert, die in der sogenannten johanneischen Gemeinde in Ephesus beheimatet waren. Es waren Schüler und Freunde in der Nachfolge des Jüngers Johannes und ihre Familien, die sich dort trafen. Sie wollten damit ihr Verständnis, ihren Glauben an Jesus, in dem sie den fleischgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus, erkannt haben, für kommende Generationen festschreiben und dokumentieren. Das war ihr Glaubens- und Verstehenshorizont, ihre Kultur hellenistischer, also griechischer Prägung.
Dass daraus dann die Kirche unbedingt verbindliche Dogmen und Lehrmeinungen gemacht hat, die ganze Christologie, die Lehre vom Heiligen Geist, die Pneumatologie, die Trinitätslehre usw., das konnten sie damals in Ephesus noch nicht ahnen.
Ihr Anliegen war, um es noch einmal zu sagen, ihr Verständnis von dem, was sie von Jesus weitergegeben wollten, ihr Vermächtnis Jesu, allein deshalb, damit es nicht verlorengeht.
Und ich frage mich jetzt, wie sieht unser Glaubensvermächtnis aus? Was ist das, was wir Menschen, Christinnen und Christen des 21. Jahrhunderts an kommende Generationen weitergeben?
Was wollen wir, dass auch unsere Nachfahren noch von Jesus wissen und glauben?
Oder noch konkreter gefragt: was möchte ich persönlich an andere Menschen, an meine Kinder, an meine Enkel, an mein Lebensumfeld von meiner Glaubensüberzeugung weitergeben? Für was stehe ich ein?
Mit unserem heutigen Wissen und Erleben, mit unserem Verständnis der Welt, ob in Glaubensdingen oder im gesellschaftlichen oder im naturwissenschaftlichen Bereich. Nach allem was wir, unsere Generation, erlebt haben an Schönem und weniger Schönem. Denken wir nur an die derzeitige Pandemie, auch sie wird unser Denken, vielleicht auch unseren Glauben verändern.
Was wird unser Glaubensvermächtnis sein?

Thomas Sobottka
Pastoralassistent

 Maria, 

breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus; Lass uns darunter sicher stehn, bis alle Stürm vorüber gehn. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte. Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit, er deckt die weite, weite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte. 

O Mutter der Barmherzigkeit, den Mantel über uns aus breit; uns all darunter wohl bewahr zu jeder Zeit in aller Gefahr. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte. 

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