Gründonnerstag, Gedanken zur Lesung vom 1. April 2021

1. Apr 2021 | Ankündigungen, GuterGedanke, Spirituelles

Schwestern und Brüder!
Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen,
liebe Pfarrgemeinde!

Wir haben hier heute am Gründonnerstag Brot und Wein für alle gut sichtbar vor den Altar gestellt. Jedes Jahr stellt sich für mich erneut die Frage, wie eben Brot und Wein für uns Christen zu solch starken Symbolen und Zeichen werden konnten und ich möchte deshalb Sie alle einladen, dass wir heute gemeinsam dieser Frage etwas nachspüren.
Brot und Wein: Jahrtausende lang sind das für uns Menschen schon Grundnahrungsmittel. Es war einer der ganz großen Kulturleistungen der Menschheit, zu entdecken, dass das Korn, das Getreide zur Nahrung dienen kann. Dass man aus vielen Körnern, gemahlen, dann gebacken ein nahrhaftes und gut schmeckendes Brot, ob als flaches Fladenbrot auf heißen Steinen, wie zur Zeit Jesu, oder als eigentlicher Brotlaib im Ofen gebacken machen kann. Eine Innovation, die wohl entscheidend zum Fortbestand der Menschheit auf dieser Erde beigetragen hat.
Ähnlich verhält es sich mit dem Wein: ungefähr schon seit dem 6. Jahrtausend vor Christus ist uns bekannt, dass Menschen aus dem Saft der Weinreben, der dann vergärt, ein mehr oder wenig köstliches und dann auch noch „berauschendes“ Getränk herstellen konnten, das sie immer schon mit einer besonderen Freude und der Nähe zur Gottheit verbanden.
Jesus nun hat für mich diese Symbolik auf eine ganz neue Ebene gestellt: Brot und Wein sind für ihn vor allem Zeichen der Gemeinschaft, der Zusammengehörigkeit. Die vielen, abertausend Körner, die zum Brot werden, die abertausende Trauben, die zum Wein werden.
Brot und Wein stiften Gemeinschaft. Die Evangelien bezeugen einmütig, wie wichtig Jesu diese Tischgesellschaften waren. Beim Essen und Trinken erfahren wir Menschen Gemeinschaft in besonderer Weise, spüren wir, dass wir nicht alleine sind. Wir können uns stärken u. stützen, tauschen uns aus, Freud und Leid, wie man so schön sagt. Denn: zusammen essen ist immer mehr als nur satt werden. Dabei tragen die beiden „Zutaten“ Brot und Wein entscheidendes dazu bei: das Brot nährt und stärkt, der Wein ergänzt und stiftet Freude am Leben dazu.
Jesus hat aber etwas für ihn offensichtlich sehr Wichtiges hinzugefügt: diese Tischgesellschaft, diese Gemeinschaft ist nur wahrhaftig eine menschliche, wenn sie offen ist: offen, für alle, es darf niemand ausgeschlossen werden, niemandem darf diese Freude verweht werden. Er selbst, so bezeugen es die Evangelien, hat besonders gerade mit den Menschen zusammen gegessen, die alle gemieden haben, die Außenseiter der damaligen Gesellschaft waren. Ihnen hat er durch dieses Hineinnehmen in die Gemeinschaft zugesagt, wie sehr Gott jeden Menschen ohne Ausnahme liebt und wertschätzt.
Papst Franziskus hat das so ausgedrückt: „… die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leiden.“ (zit. Nach H. Krätzl, Brot des Lebens, S. 56)
So ist die eigentliche Symbolik von Brot und Wein, wie ich denke wirklich leicht zu verstehen und geht auf die überlieferte Praxis Jesu selbst zurück: in Gemeinschaft das Brot zu brechen und zu teilen, das uns satt macht und nährt und darüber hinaus auch selbst Brot für andere, Nahrungsmittel im wahrsten Sinn des Wortes für andere zu werden, für andere nämlich, die unserer Hilfe bedürfen.
Den Wein dürfen wir genauso verstehen, auch wenn er im heutigen Sinne kein Grundnahrungsmittel im engeren Sinne mehr ist, sondern eigentlich eher ein Luxus ist. Zur Zeit Jesu war er aber im Alltag der Menschen vor allem ein Wasserergänzungsmittel, um das nicht so saubere Trinkwasser nutzen zu können. Aber auch damals wie heute steht der Wein für Freude am Leben, für Festlichkeit. Ein guter Wein zu einem freudigen Ereignis kann etwas wirklich Besonderes sein, schon allein weil darin das hohe Können und die viele Arbeit des Winzers steckt.

Aber auch hier das Vermächtnis Jesu: werdet euren Mitmenschen zur Freude. Helft ihnen, dass sie Freude im und am Leben erfahren können. Gerade denen, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht leicht im Leben haben.
Wie wichtig die reale, physische Gemeinschaft für uns Christen ist, erfahren wir derzeit in dieser schwierigen, uns alle belastenden Pandemiezeit. Umso wichtiger ist, dass wir Möglichkeiten finden und nutzen, trotzdem Brot und Wein füreinander, auch aus der Distanz heraus, zu sein. In Kontakt bleiben, sich gegenseitig nicht aus den Augen verlieren, bewusst auf Andere schauen, an Andere denken, für Andere beten, für andere Spenden, Lebensmittel, Gröscherl sowie Scheine, den Anderen ganz bewusst ein Lächeln schenken und vieles andere mehr sind Mittel und Wege dazu.
Seien wir, auch hier und jetzt (!)wie Jesus es uns vorgelebt hat, Brot füreinander. Seien wir Wein füreinander! Das ist unser Auftrag als Christen.
Der heutige Gründonnerstag erinnert uns an Jesu Vermächtnis an uns. Es will nichts anderes sagen als:
Leben wir das, was wir jeden Sonntag gemeinsam feiern und: feiern wir das, was wir im Alltag dann leben. Dann: ist Jesus mit und bei uns.

Amen

Ihr
Thomas Sobottka
PAss
Pfarrvikar

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