Mo 13. April, Ostermontag

13. Apr 2020 | GuterGedanke

Am ersten Tag der Woche
waren zwei von den Jüngern Jesu
auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
Und es geschah:
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
Doch ihre Augen waren gehalten,
sodass sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie: Was sind das für Dinge,
über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?
Da blieben sie traurig stehen
und der eine von ihnen – er hieß Kléopas – antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem,
dass du als Einziger nicht weißt,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn?
Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohepriester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
Wir aber hatten gehofft,
dass er der sei, der Israel erlösen werde.
Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das alles geschehen ist.
Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis
haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab,
fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen,
erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten;
ihn selbst aber sahen sie nicht.
Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen,
deren Herz zu träge ist,
um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
Musste nicht der Christus das erleiden
und so in seine Herrlichkeit gelangen?
Und er legte ihnen dar,
ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen,
aber sie drängten ihn
und sagten: Bleibe bei uns;
denn es wird Abend,
der Tag hat sich schon geneigt!
Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und es geschah:
Als er mit ihnen bei Tisch war,
nahm er das Brot,
sprach den Lobpreis,
brach es und gab es ihnen.
Da wurden ihre Augen aufgetan
und sie erkannten ihn;
und er entschwand ihren Blicken.
Und sie sagten zueinander:
Brannte nicht unser Herz in uns,
als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück
und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden
und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie,
was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten,
als er das Brot brach.

 

Und sie haben Jesus erkannt.

Das ist eine der tragenden Botschaften des Ostermontags. am Tag nach der Auferstehung ist es an uns, diese unfassbare Auferstehung anzunehmen und zu erkennen.

Etwas erkennen: Das bedeutet, etwas wahrnehmen, etwas zuordnen können, es vergleichen können mit einer bereits gemachten Erfahrung, etwas, das im Dunkeln lag in neuem Licht sehen, einen Irrtum aufklären und die Wahrheit erkennen, meinen Blick zu schärfen und genau hinzusehen.

Nur, wie kann ich Jesus erkennen, wo er für uns doch nicht mehr sichtbar ist? Wie kann ich ihn wahrnehmen in einer Zeit, die vollgefüllt ist mit reizen und Aufgaben, die mir den Blick versperren.

Und nun ganz besonders: Wie kann ich ihn im Jahr 2020 erkennen? Ich einem besonderen Jahr, in dem wir keine Osterfeiern erleben.

Keine Glocken läuten das Gloria ein, den Lobgesang zu seiner ehre.

Kein Orgelton lädt zum lauten Singen ein.

Kein Osterfeuer bringt uns das Licht. das Licht, das Jesus selber ist.

Kein Halleluja erhebt unser Herz und lässt es voll Freude über die Auferstehung schwingen.

Kein Ostermahl wird mit Freunden und Familie genossen. Viele von uns spüren gerade jetzt zu Ostern die EINSAMKEIT BESONDERS STARK.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Kontakte. Er ist nicht gemacht um alleine zu leben. Wir sind aufeinander angewiesen und leben vom Miteinander, vom Austausch der Gedanken und Zärtlichkeiten.  Wenn zwei Menschen sich erkennen, kommen sie sich nahe, berühren sich und öffnen ihr Herz und ihre Seele.  Vielleicht haben sie sich lange nicht gesehen oder einer hat sich sehr verändert. Es kann auch sein, dass sie einander vorher nicht direkt gegenüber gestanden sind, vielleicht nur telefonischen Kontakt hatten oder in der Arbeit in verschiedenen Abteilungen gearbeitet haben.

Und dann steht man einander gegenüber, sieht sich in die Augen. erkennt ein Lächeln oder ein trauriges Gesicht. Man hört die Stimme und riecht den anderen.
Die Sinne sind aktiv und schaffen ein Bild in uns, das mehr ist als eine Ahnung vom Anderen.

Dass Jesus tatsächlich auferstanden ist, war auch für die Jünger, die ihn  doch so lange begleitet hatten und scheinbar alles von ihm wussten, schwer zu begreifen. Was heißt das, er wird auferstehen? Wie soll das gehen? Und wie sollen wir das bemerken? Erschallen die Trompeten? Leuchtet uns wieder ein heller Stern den Weg?

Wie sollen wir ihn  erkennen, nach all den Qualen, die er erlitten hat. Und er war schon 3 Tage tot. Die Verwesung hat schon eingesetzt. Die Jünger haben keine Vorstellung, wie ihnen Jesus wieder begegnen kann. Und so ergehen sie sich in Erinnerungen an ihn. Wie man das eben so macht, wenn jemand, den man geliebt hat, gestorben ist. Man erzählt sich Anekdoten, Erlebnisse, Geschichten.  Sie teilen das Erlebte miteinander und sehnen sich nach dem, was ihnen Jesus zeitlebens gegeben hat.

Alles verloren, alles weg.

Und diesen Kummer teilen sie mit dem Fremden, der ein Stück des Weges mit ihnen geht.  Sie fühlen sich berührt von ihm. Sie fühlen sich angesprochen. Aber mehr nicht. Schließlich kann niemand ihnen den Kummer wegnehmen. Und das Einzige, das sie wirklich trösten könnte, wäre ein Wiedersehen mit Jesus. So wie er es ihnen versprochen hatte. So wie damals, als sie gemeinsam um den Tisch saßen und das Brot teilten. Und als er das Brotteilen  als Zeichen für Ihn selbst einsetzte. Das war ein bewegender Moment, da war man ganz eins mit Jesus .

Und als Jesus am Abend mit ihnen bei Tisch sitzt und das Brot teilt, da erkennen sie ihn. Da ist die Wahrheit ganz spürbar. er lebt! Und der Tod konnte ihn  nicht besiegen.

Im unmittelbaren Zusammensein und Brot teilen erkennen sie ihn. Das ist es , was uns Christen am Sonntag verbindet und Kraft gibt: das gemeinsame Feiern, das Sich-Nahe-Sein, das Spüren all der Anderen, die mit uns das Mahl feiern.

Das Brot T E I L E N kann man nur miteinander. Wir stehen Seite an Seite vor dem Altar, wir berühren die Schulter des Nachbarn, wir schauen einander dabei in die Augen, öffnen unsere Hände, bereit, den Herrn zu empfangen. Und wir schmecken ihn !

So wird die Auferstehung jeden Sonntag zu einem zutiefst sinnlichen Erlebnis. Diese Erkennen mit meinen Sinnen macht ihn jeden Sonntag lebendig. Ganz nahe ist mein Nächster, ganz nahe ist Jesus.  Glaube besteht nicht nur aus Worten, der Glaube muss gelebt werden, muss ER-lebbar werden.

Im gemeinsamen Mahl können wir das jeden Sonntag spüren.

Heuer ist alles anders. Kein gemeinsames Spüren, kein gemeinsames Mahl beim Altar.  Wie soll ich Jesus da erkennen? Wie ihm nahe sein? Wie kann ich heuer Auferstehung mit allen Sinnen erleben?

Die Wahrheit ist: Wir haben bereits seit vielen Jahren Ostern miteinander gefeiert. Wir kennen die Menschen unserer Pfarrgemeinde sehr gut und fühlen uns miteinander auch in dieser Krise verbunden. Ich bin sicher, wir werden wieder Auferstehung feiern, miteinander, zu einem anderen Zeitpunkt.

Denn wir haben Jesus erkannt. Wir wissen, dass es in uns weiterlebt. Und dieses Wissen trägt uns, hilft uns, verbindet uns. Dieses Wissen kann uns nichts und niemand nehmen.

Jesus lebt!

 

Ihre
Irene Amann-Kanelutti

Netzwerk-gottesdienst

Gottesdienst am Ostermontag
von Netzwerk-Gottesdienst

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