So 31. Mai, Pfingstsonntag

31. Mai 2020 | GuterGedanke

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an
und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Liebe Gemeinde, (liebe Kinder),
liebe MitchristInnen, liebe Mitchristen!

Eigentlich hätten wir das ja jetzt umgekehrt hören sollen: zuerst das Evangelium, in dem die Jünger vom Auferstandenen den Heiligen Geist empfangen haben und dann erst die Lesung aus der Apostelgeschichte, wo alle vom Heiligen Geist erfüllt wurden.

Denn in der Tat war es aller Wahrscheinlichkeit so, dass die Jünger die Erkenntnis, dass dieser Jesus, auf den sie all ihre Hoffnungen gesetzt hatten und der so schändlich am Marterkreuz zu Tode kam, weiterlebt, weiterhin lebendig ist nur sehr, sehr langsam bei ihnen ankam. Und erst einige Zeit später, wahrscheinlich waren es Jahre, wussten sie mit Gewissheit: ja, Jesus ist nicht tot, er lebt, er lebt in der Gemeinschaft all derer weiter, die an ihn und an den Gott, den Jesus, den Vater nannte, glauben und die ihr Leben an dem ausrichten, was er von Gott gesagt und gelebt hat. Dafür sorgt die Kraft, die der Heilige Geist genannt wird.

Und diese Kraft wirkte weiter, in den Urgemeinden in Jerusalem und Antiochien und an vielen Orten, die Paulus in seiner Mission im 1. Jahrhundert aufgesucht hat. Durch die Überzeugungskraft dieses Glaubens, der in den Anfangsjahren „der neue Weg“ genannt wurde, Christen haben sie sich erst später genannt, wurde das, was wir Kirche nennen, immer größer. Immer mehr Menschen kamen zum Glauben. Durch die stattliche Anerkennung durch Kaiser Konstantin am Beginn des 4. Jahrhunderts wurde sie auch immer mächtiger, immer reicher, leider(!).

Aber was war das Faszinierende von Anfang an dieser, nennen wir es mal religiösen Bewegung, die ihren Ausgang in einem kleinen Landstrich namens Galiläa hatte?
Die Menschen, die Jesus in der Zeit seines Wirkens erlebt haben, die Jünger, die Apostel, Maria Magdalena, die erste, die an Jesu Auferstehung glaubte, aber auch alle anderen Frauen und dann natürlich Paulus, der Missionar schlechthin: sie müssen derart begeistert (im eigentlichen Wortsinn: be-geistert) gewesen sein, dass es auch für andere überzeugend und ansteckend war. Viele, die es mitbekamen und sahen, wie diese, nennen wir sie „Ur-Christen“ geglaubt und gelebt haben, wollten da dazugehören. Sie hörten, wie diese Menschen von einem „Reich Gottes“ sprachen, das Jesus gepredigt und vorgelebt hatte, in dem jeder Mensch zu seinem Recht kam, Mensch zu sein, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder gesellschaftlichem Stand er auch angehörte.
Er oder sie konnte „Kind Gottes“ sein, geliebt und gewollt von Gott, den Jesus voll Vertrauen seinen und unseren Vater nannte; dieses Reich Gottes war und ist der Anziehungspunkt für die Menschen, zu diesen Christen und zu diesem Christus dazuzugehören.
Hier wurde niemand ausgeschlossen und durch die Taufe konnte jeder ganz leicht in diese Gemeinschaft aufgenommen werden.

Nur durch diese außergewöhnlich überzeugende Attraktivität dieses „neuen Weges“, dieses Glaubens, ist es erklärbar, dass das gelang: aus einer kleinen, winzigen religiösen Bewegung in einer kleinen, unbedeutenden Provinz Palästinas wurde eine Weltreligion, über 2 Milliarden Menschen gehören heute weltweit diesem Christentum an.

Und, nicht genug des Wunders, es gibt dieses Christentum seit sage und schreibe über 2000 Jahre, und: es gibt es immer noch! Mit vielen unzähligen Höhen und Tiefen zwar. Katastrophen und Errungenschaften, Licht und Schatten haben sich auch im Laufe der Kirchengeschichte bekanntlich immer abgewechselt.
Denn: diese Kirche, ihr Reden und Tun sind letztlich auch von Menschenhand gelenkt und wo Menschen sind, wir alle wissen es, da „menschelt´s“, kann´s gar nicht perfekt sein. Da kommt´s zu Verfehlungen und Schieflagen, Skandalen und sogar leider zu Verbrechen, oft ist vom „Geist Jesu“ nicht allzu viel zu spüren.
Aber, so sagt es uns das alljährliche Pfingstfest: er ist da! – sein Geist, der Heilige Geist!

Wir dürfen wirklich darauf vertrauen, denn bei alldem sollten wir nie vergessen: die Kirche ist nicht nur Rom, der Papst und die Bischöfe, Vermögen und Macht; sondern die Kirche sind vor allem auch wir, jeder von uns. Und wir alle können mit unseren Fähigkeiten, die wir einbringen, dazu beitragen, dass Kirche im Sinne Jesu sein kann.
Zum Wohle aller Menschen, so wie Jesus es gewollt hat.

Und deshalb meine ich: wir sollten an Pfingsten immer wieder den Geburtstag dieser Kirche feiern, die letztlich unser menschlicher Versuch ist, das Reich Gottes, das Jesus gemeint hat und für das er gelebt hat und letztlich gestorben ist, in dieser Welt zu verwirklichen.

Amen

Thomas Sobottka
Pastoralassistent

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