20. Sonntag im Jahreskreis, 16. August 2026

16. Aug. 2026 | Ankündigungen, GuterGedanke, Spirituelles

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her!
Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn wir die heutige Perikope aus dem Matthäus Evangelium auf uns wirken lassen und diese vom Anfang dieser Erzählung her betrachten, erschüttert diese Geschichte wahrscheinlich ihr Bild, das sie von Jesus haben.
Jesus, der, so kennen wir es aus den verschiedenen Heilungsgeschichten, immer auf die Menschen hört, die zu ihm kommen.
Mit ihren eigenen Leiden oder mit der Bitte ihnen nahestehenden Menschen zu helfen. Jesus wendet sich ihnen zu.
Jesus verhält sich hier ganz anders. Er ignoriert zuerst die kanaanäische Frau. Seine Jünger fordern ihn sogar auf, sie wegzuschicken, weil sie nicht aufhört ihnen nachzuschreien.
Mir ist aufgefallen, dass diese Frau Jesus als Sohn Davids angesprochen hat, als sie ihn um sein Erbarmen bat.
Sie glaubt daran, dass Jesus ihr helfen kann und sie bittet nicht für sich, sondern für ihre Tochter.
Ihr Mut war in mehrfacher Hinsicht groß.
Zur Zeit Jesu war es nicht üblich, dass Frauen sich in der Öffentlichkeit so produzierten und vor allem war es nicht üblich, dass sie ihnen fremde Männer ansprachen. Außerdem war sie eine Heidin. Juden verkehrten nicht mit Heiden.
Unter diesem Betrachtungswinkel ist Jesu Reaktion nachvollziehbar.
Einerseits, dass er sie zuerst ignoriert und andererseits sein Hinweis, dass er nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt sei.
Trotz dieser Zurückweisung bittet sie ihn nochmals um seine Hilfe.
Wie stark muss ihr Vertrauen und Glaube an die Kraft Jesu gewesen sein, wenn sie als Heidin nicht aufgibt und einfach geht.
Auf diese Bitte reagiert Jesus mit Worten, die wir so von ihm nicht kennen. Er vergleicht sie mit Hunden, die nichts vom Brot abbekommen sollen, das für die Kinder bestimmt ist.
Als Hunde wurden in der Zeit Jesu die Heiden von den Juden bezeichnet, durchaus als Beschimpfung gemeint.
Jesus möchte ihr damit ganz klar sagen, Frau, ich bin für dich nicht zuständig. Er sah sich von Gott beauftragt zum Volk Israel zu gehen und ihm seine Frohbotschaft zu verkünden.

Wieder ist die Frau mutig und stellt sich der abweisenden Haltung Jesu, indem sie meint, dass die Hunde auch mit den Krumen die vom Tisch fallen zufrieden sind und sich sättigen.
Jesus erkennt ihren starken Glauben an ihn und hilft ihr.

Dieses Erlebnis hat in Jesus ein Umdenken hervorgerufen.
Er hat erkannt, dass er nicht nur Heilsbringer für die Kinder Israels ist, sondern für alle Völker.
Was bedeutet diese Erfahrung, die Jesus gemacht hat für uns?
Ich kann Ihnen nur sagen, was ich aus dieser Evangeliumsstelle für mich mitnehme.
Offen sein für Gespräche mit Andersgläubigen, hinhören im Gespräch, wo sie Gott finden und wie sie ihn erleben.
Offen sein auch für jene, die sagen, „Ich glaube an keinen Gott“ und ihnen zuhören.
Jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Zugang zum Göttlichen, manchmal unbewusst im Verborgenen, manchmal auf Umwegen am Weg des Lebens.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott immer bei uns ist und uns begleitet und führt. Selbst in Momenten an denen wir glauben, dass er uns nicht begleitet.
Petrus, so hörten wir letzten Sonntag, hatte auch Momente der Zweifel. Einer dieser Momente war am See Genezareth.
Solange er Jesus vertraute, konnte er am Wasser gehen, sobald er zweifelte, versank er. Erst der Glaube daran, dass Jesus ihn selbst aus dieser schlimmen Situation retten kann, half ihm. Jesus reichte ihm die Hand und begleitete Petrus ins Boot.
Diese Hand Jesu ist auch immer für uns offen, wir müssen sie nur wahrnehmen und ergreifen.
Der kanaanäischen Frau und Petrus hat der Glaube an Jesus geholfen.
Nehmen wir uns an ihren Glauben ein Beispiel und versuchen Kraft unseres Glaubens an den dreieinen Gott, im Wissen um seine Begleitung, unsere Lebenssituationen zu meistern.

Ihr Diakon
Gerhard Hladky

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