In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden.
Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!
Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
Liebe Schwestern und Brüder,
wie muss es dem Petrus wohl ergangen sein, als er von Jesus so einen Rüffel bekommen hat, wo er doch von ihm vor einiger Zeit so einen wichtigen Zuspruch bekommen hat:
„Du bist der Fels, auf diesen möchte ich meine Kirche bauen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben“.
Es ist auch die Übertragung von Verantwortung: „Dir kann ich das zutrauen“.
Und jetzt das. So eine Maßregelung vor den anderen.
Dabei hat er ja nichts anderes gemacht, als das, was ihm am Herzen lag, auszurücken. Er traut sich aus der Deckung hervor. Möglicherweise haben sich das die anderen Jünger auch gedacht, nur wird davon nichts geschrieben.
Petrus wird immer wieder in seinem Glaubensleben ambivalent beschrieben und das macht ihn, so finde ich, so sympathisch und man kann sich bei ihm schnell selber finden. Einerseits gerade stark im Glauben, wie wir vorigen Woche gehört haben, als er zu Jesus sagte: „Du bist der Sohn Gottes“ . Auf der anderen Seite, heute ein erneuter Fehltritt. Es scheint so, als gehöre beides zusammen. Starkes Spüren des Glaubens und doch wieder Zweifeln, Schwächen haben, trotz Fehlern immer wieder neu anfangen, erkennen, dass man falsch liegt, sich etwas sagen lassen. Das wird uns mit der Figur des Petrus immer wieder gezeigt.
Erinnern wir uns wie lange unser jetziger Erzbischof Josef Grünwidl gerungen hat, bis er endlich zugesagt hat, diesen wirklich sehr verantwortungsvollen Dienst als Erzbischof zu übernehmen. Durch die Erkenntnis „Gott will mich nicht perfekt, sondern verfügbar“, ist er dem Ruf des Volkes (ganz viele Menschen haben ihn gebeten, dieses Amt zu übernehmen), der Diözese und des Papstes gefolgt.
Warum wurde Petrus aber zum Stein des Anstoßes?
Durch seine innere Haltung, die er dann impulsiv ausgedrückt hat. Seine innere Haltung war nicht das, was Gott will, sondern was Petrus in diesem Moment wollte.
„Das darf nicht geschehen, dass du ausgeliefert und getötet wirst“, sagte Petrus zu Jesus.
Interessant ist, dass der Hinweisauf die Auferweckung am dritten Tage , den Jesus gibt, von Petrus gar nicht wahrgenommen wurde. Er ist bei der negativen Ankündigung, dass Jesus getötet wird, hängen geblieben und das großartige Ereignis, das nach dem Tod kommen wird, war überhaupt kein Thema.
Der erste Satz, den Jesus zu Petrus nach seiner Empörung sagt ist: „Tritt hinter mich.“
Wenn ich mich hinter jemanden hinstelle, kann ich ihn beobachten, was er macht, wie er sich bewegt.
Als Bild fällt mir da der Schikurs ein. Vorne ist der Schilehrer/Schilehrerin und dahinter die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer. Der Schilehrer oder Schilehrerin zeigt vor, wie der Schwung richtig gemacht werden muss und gibt dazu noch einige Tipps. Wem es gelingt, das so umzusetzen, wird die Schwünge gut hinbekommen. Diejenigen, die das nicht so gut können, stürzen oder landen dann irgendwo. Was es braucht ist, dass es nochmals und nochmals probiert wird, bis es gelingt.
Auch Jesus ist ein Lehrer, ein Glaubenslehrer, der vorangeht und zeigt, wie das Leben im Glauben gelingen kann. Er sagt und lebt es vor, was es heißt, ihm nachzufolgen. Er gibt unermüdlich Tipps, auch wenn so manches nicht gleich verständlich ist.
Das was wir heute gehört haben, ist wirklich sehr schwierig zu verstehen.
Wenn es heißt:“ Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“
Es ist eine sehr herausfordernde Ansage von Jesus an uns.
Für mich geht es hier um die zwei Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe.
Es geht um eine innere Haltung. Es geht nicht darum, dass ich mir nichts mehr wert sein darf, nichts leisten darf, ganz arm sein muss, sondern es geht darum, die Dinge, die mich hindern zu einem sinnerfüllten Glaubensleben zukommen, wegzulassen – wie z.B. Gier, Bequemlichkeit, Habsucht, Eifersucht, Zorn, Hochmut, Neid. All das hindert mich daran, mich Gott und dem Menschen zuzuwenden.
Jesus hat sich selbst immer Gott ganz zugewandt und anvertraut und seinen Auftrag bis zum bitteren Ende erfüllt. Durch die ganz starke Liebe zu Gott konnte Jesus den Weg der Liebe und der Solidarität zu den Menschen bis zur letzten Konsequenz gehen.
Wenn wir hinter Jesus nachgehen, dann beobachten wir ihn gut, hören wir gut zu, was er zu uns spricht und vertrauen wir ihm, dass er uns die richtigen Tipps fürs Leben gibt. Der Auftrag gilt offen zu werden für Gott, die Menschen und die Schöpfung.
Ihre Alexandra Hladky






